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Beobachten fernab der Heimat

BEOBACHTEN FERNAB DER HEIMAT

Nicht die Entfernung zum Ziel prägt das Erlebnis,
sondern die Bereitschaft, den vertrauten Horizont zu verlassen.
Unter fremden Sternen eröffnet sich oft nicht nur eine neue Perspektive,
sondern auch ein neuer Blick auf das Vertraute.

Mobile Astronomie beginnt dort, wo der Alltag endet.
Der Himmel verändert sich mit jedem Standort. Je weiter man sich von den Lichtern entfernt, desto mehr Sterne erscheinen. Mobile Astronomie bedeutet, diesen Himmel dort zu erleben, wo er seine ganze Schönheit zeigt. Sie verbindet Natur, Technik und Entdeckung zu einem Erlebnis, das weit über das reine Beobachten hinausgeht. Jeder Beobachtungsplatz erzählt seine eigene Geschichte – sei es auf einer einsamen Anhöhe, an einem Bergsee oder unter einem außergewöhnlich dunklen Himmel fernab der Städte.
Damit solche Nächte nicht an der Ausrüstung scheitern, sondern von ihr unterstützt werden, ist ein durchdachtes und zugleich transportables Setup entscheidend. Es soll leistungsfähig genug sein, um sowohl visuelle Beobachtungen als auch Astrofotografie auf hohem Niveau zu ermöglichen, ohne dabei die Mobilität einzuschränken.

Wo die stationäre Sternwarte endet, beginnt die mobile Astronomie. Für diese Einsätze hat sich folgendes leistungsfähiges und zugleich transportables Setup bewährt:

  • Montierung:
    Pegasus NYX-88 mit Handcontroller und CFK-Dreibein
  • Teleskop:
    TS PhotoLine APO 115 mm f/7 = 805 mm (FPL51/Lanthanglas) mit 2,5"-Zahntrieb-Okularauszug
  • Reducer:
    Riccardi 0,75× M63 Brennweitereduzierung auf f/5,25 = 604 mm
  • Kameras:
    Pegasus SmartEye (IMX533) mit 2" UV/IR-Sperrfilter sowie ZWO ASI2600MC AIR (IMX571)
  • Okular:
    Baader Hyperion Mark IV Zoom 8–24 mm – 68°
  • Zenitprisma:
    2"-Zenitspiegel mit 99 % Reflexion – 1/12 λ sowie Baader T2-Zenitprisma mit 32 mm Prismenöffnung
  • Powerstation:
    Anker SOLIX C300X DC (288 Wh / 90 Ah - LiFePO₄)
  • Steuerung:
    Samsung Galaxy Tab S10plus - 12,4" Dynamic AMOLED, 512GB SSD, 12GB LPDDR
  • Software-App:
    SkySafari, Stellarium, ASIAIR-App, OpenLiveStacker, SkyPortal, Canon CameraConnect

Systemübersicht Reiseausrüstung

Technische Gesamtübersicht · Visuell & Fotografisch
Parameter TS 115 f/7 TS 115 + Riccardi 0.75x IMX533 IMX571
Öffnung 115 mm 115 mm
Brennweite 805 mm 604 mm
Öffnungsverhältnis f/7,0 f/5,25
Lichtsammelvermögen 529× Auge (5 mm Pupille) 529× Auge (5 mm Pupille)
Visuelle Beobachtung · Baader Hyperion Mark IV Zoom
Vergrößerung (24 mm) 34× 25×
Wahres Gesichtsfeld (24 mm) 1,4° 1,9°
Vergrößerung (8 mm) 101× 76×
Wahres Gesichtsfeld (8 mm) 0,67° 0,90°
Astrofotografie · Pegasus SmartEye ···· ZWO ASI 2600MC Air
Sensorgröße 11,3 × 11,3 mm 23,5 × 15,7 mm
Auflösung 3008 × 3008 6248 × 4176
Pixelgröße 3,76 µm 3,76 µm
Bildmaßstab 1,28"/Pixel 1,28"/Pixel 1,28"/Pixel
Sichtfeld 1,07° × 1,07° 2,23° × 1,49°
Erfasste Himmelsfläche 2,9×

Der Riccardi 0.75× Reducer verwandelt den TS Photoline APO 115 von einem universellen Apochromaten in ein leistungsfähiges fotografisches Instrument. In Verbindung mit dem IMX571 entsteht ein Sichtfeld von über 2° Breite und ein Bildmaßstab von etwa 1,28″/Pixel (206,265 × 3,76 µm ÷ 604 mm). Diese Kombination nutzt die Auflösung des Systems sehr ausgewogen aus, idealer Bereich für Mitteleuropa liegt bei 1,0–1,5″ /Pixel.

Was bedeutet das praktisch?
Mit dem Riccardi 0.75× Reducer entwickelt sich der TS Photoline 115 vom vielseitigen Apochromaten zu einem leistungsstarken Kleinbild-Teilformat (APS-C). Die verkürzte Brennweite von 805 mm auf 604 mm erweitert das Bildfeld erheblich und eröffnet insbesondere bei großflächigen Nebeln, Sternfeldern und ausgedehnten Deep-Sky-Objekten neue Möglichkeiten. Hochwertige Mehrfachvergütungen gewährleisten dabei eine Lichttransmission von deutlich über 90 % und tragen zu kontrastreichen Beobachtungen sowie einer effizienten Ausnutzung des einfallenden Lichts bei.

In Verbindung mit dem Sony IMX571 der ZWO ASI2600MC Air ergibt sich ein Bildfeld von über 2° Breite, wobei nahezu die dreifache Himmelsfläche des IMX533 der Pegasus SmartEye erfasst wird. Damit wird das Potenzial des Photoline 115 insbesondere für großflächige Deep-Sky-Motive optimal genutzt, während der kompakte IMX533 weiterhin eine attraktive und platzsparende Lösung für das mobile Reisen darstellt.

Bei einem Bildmaßstab von rund 1,28"/Pixel arbeitet das System bereits ohne Guiding erstaunlich leistungsfähig. Dieser Wert bewegt sich in einem für mitteleuropäische Seeing-Bedingungen sehr ausgewogenen Bereich und liegt nahe dem sogenannten "Sweet Spot" zwischen Auflösung, Lichtausbeute und Nachführanforderungen. Die Kombination aus TS Photoline 115, Riccardi 0.75× Reducer und den 3,76 µm Pixeln von IMX533 bzw. IMX571 nutzt das Auflösungsvermögen der Optik effizient aus, ohne die Anforderungen an Montierung und Aufnahmebedingungen unnötig zu erhöhen.

Das System überzeugt jedoch nicht nur fotografisch, sondern auch bei der visuellen Beobachtung. Mit dem Baader Hyperion Zoom Mk IV lässt sich der TS Photoline 115 flexibel an unterschiedliche Beobachtungsobjekte anpassen, ohne während der Beobachtung ständig Okulare wechseln zu müssen. Der Zoombereich deckt sowohl großflächige Sternfelder und offene Sternhaufen als auch Mond-, Planeten- und Detailbeobachtungen kompakter Deep-Sky-Objekte ab. Gerade unter wechselnden Seeing-Bedingungen erweist sich die stufenlose Anpassung der Vergrößerung als ausgesprochen komfortabel.

Auch die Pegasus SmartEye erweitert das Einsatzspektrum des Systems deutlich. Ihr kompakter IMX533-Sensor eignet sich nicht nur für die Astrofotografie, sondern ermöglicht durch Live-Stacking eine nahezu in Echtzeit erfolgende elektronische Beobachtung (EAA – Electronically Assisted Astronomy). Schwächere Nebel und Galaxien werden dadurch bereits nach kurzer Integrationszeit sichtbar und deutlich kontrastreicher dargestellt, als dies rein visuell möglich wäre. So verbindet das mobile Setup klassische visuelle Astronomie, moderne elektronische Beobachtung und Astrofotografie in einem einzigen, transportablen Gesamtsystem.

Die Pegasus NYX-88 trägt wesentlich zum mobilen Charakter des Gesamtsystems bei. Trotz eines Eigengewichts von lediglich rund 5 kg bietet sie eine für ihre Größe außergewöhnlich hohe Tragkraft von 14kg ohne- / 20kg mit Gegengewicht, und kann leichte bis mittlere Astrofotografie-Setups häufig sogar ohne Gegengewicht betreiben. Dadurch reduziert sich nicht nur das Gesamtgewicht des Reisegepäcks, sondern auch der Aufbau vor Ort wird deutlich vereinfacht. Als Harmonic-Drive-Montierung unterscheidet sich die NYX-88 von klassischen Schneckengetriebemontierungen. Zwar besitzt sie einen vergleichsweise hohen periodischen Fehler, dieser verläuft jedoch sehr gleichmäßig und lässt sich durch Autoguiding äußerst effektiv korrigieren. Für kurze Brennweiten sind bei sorgfältiger Polausrichtung häufig bereits ungeguidete Belichtungszeiten von etwa 90 bis 140 Sekunden realisierbar. Bei längeren Brennweiten oder anspruchsvolleren Deep-Sky-Projekten empfiehlt sich hingegen der Guiding-Betrieb.

Die ASI2600MC Air bringt hierfür bereits eine integrierte Guiding-Kamera mit, sodass kein separates Leitrohr erforderlich ist. Alternativ kann auch die Pegasus SmartEye über ihren Guiding-Port problemlos eingebunden werden. Mit aktivem Guiding spielt die NYX-88 ihre Stärken voll aus und ermöglicht – abhängig von Brennweite, Seeing und Polausrichtung – Belichtungszeiten von mehreren Minuten.

Abgerundet wird das mobile Gesamtkonzept durch eine kompakte Energieversorgung. Mit der Anker Solix C300X DC steht eine leistungsfähige Powerstation zur Verfügung, die speziell durch ihre geregelten Gleichstromausgänge eine effiziente Versorgung astronomischer Geräte ermöglicht. Im Vergleich zur Versorgung über einen Wechselrichter werden Wandlungsverluste vermieden, wodurch die verfügbare Akkukapazität optimal genutzt wird.
Die Kapazität von 288 Wh (90 Ah bei einem Gewicht von 2,8 kg) der Powerstation reicht aus, um Montierung, Kameras, Fokussierer und weiteres Zubehör über eine komplette Beobachtungsnacht zuverlässig mit Energie zu versorgen. Gleichzeitig bleibt das zusätzliche Gewicht überschaubar, sodass die Mobilität des Gesamtsystems erhalten bleibt. Damit entsteht ein in sich geschlossenes Reisesystem, das unabhängig von einer externen Stromversorgung auch an abgelegenen Beobachtungsstandorten vollständig einsatzfähig ist.

Die Steuerung und Überwachung sämtlicher Komponenten erfolgt dabei zentral über ein Samsung Galaxy Tab S10+ mit 12,4-Zoll-AMOLED-Display und 512 GB SSD-Speicher. Für den mobilen Astronomieeinsatz erweist sich dieses Tablet als besonders praxisgerecht. Das kontraststarke AMOLED-Display ermöglicht selbst bei sehr geringer Bildschirmhelligkeit eine ausgezeichnete Ablesbarkeit und schont gleichzeitig die Dunkeladaption der Augen. Gerade während längerer Beobachtungsnächte stellt dies einen erheblichen Komfortgewinn gegenüber herkömmlichen LCD-Displays dar.
Hinzu kommen die hohe Akkulaufzeit und der integrierte S-Pen, der die Bedienung astronomischer Anwendungen auch bei niedrigen Temperaturen oder mit Handschuhen erleichtert. Der große Bildschirm bietet zudem ausreichend Platz, um Sternkarten, Kamerasteuerung und Livebilder gleichzeitig übersichtlich darzustellen, ohne ständig zwischen verschiedenen Ansichten wechseln zu müssen.

Softwareseitig bildet das Tablet die Schaltzentrale für sämtliche Beobachtungs- und Aufnahmeaufgaben. Für die Planung und Objektidentifikation kommt SkySafari zum Einsatz, das insbesondere in Verbindung mit der Pegasus SmartEye eine komfortable Navigation am Himmel ermöglicht. Die Steuerung der ZWO ASI2600MC Air erfolgt über die ASIAIR-App, welche Kamerakontrolle, Fokussierung, Guiding, Polar Alignment und Aufnahmesequenzen in einer einzigen Oberfläche vereint. Ergänzend dient Stellarium als leistungsfähiges Planetariumsprogramm zur Orientierung am Nachthimmel und zur Beobachtungsplanung.
Für die elektronische Beobachtung (EAA) mit der Pegasus SmartEye wird OpenLiveStacker verwendet. Die Software ermöglicht das fortlaufende Live-Stacking der aufgenommenen Einzelbilder und macht dadurch schwache Nebel, Galaxien und Sternhaufen bereits während der Beobachtung sichtbar. Dies verbindet die unmittelbare Erlebnisqualität der visuellen Astronomie mit den Vorteilen moderner digitaler Bildverarbeitung und erweitert den Einsatzbereich des mobilen Systems erheblich.
In Kombination mit der kompakten Energieversorgung entsteht so eine vollständig autarke Beobachtungsplattform, bei der Planung, Steuerung, Bildaufnahme und Live-Auswertung über ein einziges mobiles Endgerät erfolgen können. Dies reduziert den technischen Aufwand vor Ort, vereinfacht den Aufbau und erhöht die Praxistauglichkeit des Gesamtsystems insbesondere auf Reisen und an abgelegenen Beobachtungsstandorten.

Gerade für ein mobiles Reisesystem entsteht dadurch eine ausgewogene Kombination aus geringem Transportgewicht, hoher Tragfähigkeit und präziser Nachführung. Gleichzeitig bleibt der technische Aufbau übersichtlich, da zusätzliche Komponenten wie Gegengewicht oder separates Guiding-Equipment häufig entfallen können. Durch den Verzicht auf eine Gegengewichtsstange verringern sich zudem Packmaß und Aufbauzeit spürbar – ein nicht zu unterschätzender Vorteil beim Transport auf längeren Fußwegen zu abgelegenen Beobachtungsstandorten. Die NYX-88 eignet sich dadurch besonders für Astrofotografen, die auf Reisen oder an wechselnden Beobachtungsstandorten eine möglichst leistungsfähige und zugleich kompakte Lösung suchen.